Glaube ich eigentlich selbst, was ich bete?

Erwarte ich wirklich, dass Gott eingreift? Oder bin ich wie ein Schüler, der Gott mit dem Mogelzettel im Ärmel auf Hilfe bei der Klausur bittet?Manche Menschen danken Gott für die Zusage, ihm alle Sorgen abgeben zu dürfen, und zwei Minuten nach dem Amen grübeln sie schon weiter über ihr Problem.Mann kennt Gottes Verheißungen, rechnet aber nicht damit, dass Gott diese tatsächlich im Leben einlösen könnte. Man glaubt also gar nicht, was man betet. Aber ohne Glauben geht es nicht. Gott erwartet keinen großen Glauben. Glaube so groß wie ein kleines Senfkorn reicht bekanntlich. Aber ohne Erwartung, ohne Zutrauen, ohne einen elementaren Glauben brauche ich mit dem Beten gar nicht erst anzufangen.Es ist ohnehin alles nur Wortgeklingel. Dazu gehört auch eine verwandte Frage, nämlich ob hinter meinen Worten inneres Verlangen und Bedürfnis steht oder ob ich nur so daherbete. Es kann ja vor allem bei Gebets Gemeinschaften  durchaus geschehen , dass man ein Gebetsan liegen einbringt , weil man sich auch  beteiligen möchte und einem gerade nichts anderes einfällt. Ich erwarte dann gar nichts von Gott, und im Grunde  ist es mir sogar gleichgültig, ob Gott das Gebet wirklich erhört oder nicht. Letztlich nehme ich dabei Gott nicht ernst.Oder man fragt sich mitten in der Mahlzeit erschrocken:“Haben wir eigentlich schon für das Essen gedankt oder nicht?“ Das muss nicht immer gleich Hinweis auf eine tiefe Beziehungskrise zu Gott sein, macht aber deutlich, wie leicht unser Beten zum Ritual verkommen kann.

Bin ich offen für Gottes Antwort?

Gehorsam ist besser als Opfer (Samuel 15,22), ja besser als jede Form der Frömmigkeit überhaupt. Gehorsam ist der dritte Ton in dem Dreiklang Reden-Hören-Handeln. Das Gebet kann immer nur in der Absicht geschehen, Gottes Weisung zu erfahren, um sie dann in die Tat umzusetzen. Wer nicht gehorcht, macht deutlich, dass er Jesus in seinem Leben gar nicht Herr sein lassen will. Ungehorsam entlarvt mein Gebet als den Versuch, Gott vor den Karren der eigenen Interessen zu spannen. Beten kann niemals Gehorsam ersetzen. Wo ich Gottes Willen längst kenne, ist Weiterbeten in eine andere Richtung Sünde! Wer betet, braucht  Geduld und Offenheit. Gott selbst bestimmt den Zeitpunkt und die Art der Gebets erhörung. Es kann sein, dass wir Gottes Antwort auf unser Gebet gar nicht mitgekommen, weil wir auf eine ganz bestimmte Reaktion Gottes festgelegt sind. Wir schreiben Gott vor, wie er zu handeln hat, obwohl er doch viel besser weiß, was für uns das Beste ist. Auch eine scheinbare Nicht erhörung und Rückschläge können Gottes Antwort sein, denn auch ein Nein schafft schließlich Klarheit.Vielleicht ist gerade dass, was mir zurzeit zu schaffen macht, Gottes Erhörung meines Gebetes. Nur eben ganz anders als erwartet, viel früher oder später, viel radikaler oder zurückhaltender. Aber eben doch: Gottes Antwort

 

 

Wolfgang Kraska “  Biblische Basics “ 2014